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Biographie

Kindheit am arabischen Meer

Amma wurde 1953 in einer einfachen Fischerfamilie in Kerala/Südindien geboren. Sudhamani, so hiess Amma als Kind, erregte als kleines Mädchen im Dorf Aufsehen, weil sie, ohne dass sie ihre Eltern dazu ermunterten, stundenlang meditierte, betete und sang.

Die Dorfbewohner erzählen, dass sich Sudhamani auch als kleines Mädchen rührend um die noch ärmeren Nachbarinnen und Nachbarn kümmerte. Sie tröstete, wenn jemand weinte, pflegte die älteren, vernachlässigten Dorfbewohner und brachte hungrigen Familien zu essen. Dazu stahl sie bei sich zu Hause Reis und Linsen, verdünnte die Milch und brachte den guten Rest den Notleidenden. Manchmal stahl sie sogar den Schmuck ihrer Mutter und verschenke ihn an Arme.

Nur vier Jahre zur Schule

Für diese Taten wurde das Mädchen hart bestraft, denn ihre Familie war auch nicht reich. Als die Mutter erkrankte, beschloss der Vater deshalb, Sudhamani nach nur vier absolvierten Schuljahren zu Hause zu behalten. Sie hatte sich fortan um den Haushalt und die sieben Geschwister zu kümmern.

Spontane Umarmung

Obwohl Sudhamani nun von früh morgens bis spät abends arbeiten musste, konnte sie niemand davon abbringen, sich um die Armen zu kümmern. Einmal, als jemand sehr traurig war, umarmte sie spontan diese Person. Das kam dann öfter vor. Die Eltern und Verwandten waren entsetzt. Denn dass ein zwölfjähriges Mädchen wildfremde Menschen, darunter auch ältere Männer und Menschen aus höheren Kasten innig berührte, galt in dem indischen Gesellschaftssystem als Schandtat und brachte der Familie viel Schande. „Es gab eine Zeit“, erzählt Amma später, „da ging ich durch mein Dorf und die Menschen warfen Steine nach mir.“

Gegen die Kastenausgrenzung und für die Gleichstellung von Mann und Frau

Doch Sudhamani tat das, was sie aus Liebe und Mitgefühl tun musste und sie kümmerte sich dabei nicht um die soziale Zugehörigkeit. Für sie waren alle Menschen gleich. Mit ihren Umarmungen setzte sie ein ungeheuer starkes Zeichen gegen gesellschaftliche und soziale Ausgrenzung wie Kastenzugehörigkeit, Nationalität und Geschlecht. „Es gibt keinen Schlüssel, mit dem man die Liebe einsperren könnte,“ erklärt Amma.

Besucher aus aller Welt

Mit der Zeit erhielt Sudhamani Unterstützung von einigen Menschen im Dorf, die spürten, dass das Mädchen voller Liebe war und Notleidenden von ganzem Herzen half. Nach und nach vernahmen auch spirituell Suchende in ganz Indien die Kunde von einem Fischermädchen, das die Gabe hatte, Menschen in den Zustand tiefen Friedens zu versetzen. Einige wollten nach dem Treffen mit ihr nicht mehr weg und blieben im Dorf. Diese ersten Besucher nannten Sudhamani "Mata Amritanandamayi" (Mutter der unsterblichen Glücksseligkeit) oder einfach Amma (Mutter).

Gründung des Hilfswerks "Embracing the World"

Immer mehr Menschen aus der ganzen Welt strömten nach Amritapuri, wo Amma zu Hause ist. Ammas ursprünglich spontane Hilfe für die Nachbarn dehnte sich aus. Sie wurde angefragt, ein vernachlässigtes Waisenhaus zu übernehmen und die ersten Häuser für Obdachlose wurden gebaut. 1982 gründeten Amma und ihre Schülerinnen und Schüler das Hilfswerk „Mata Amritanandamayi Math“. Dieses ist unterdessen von der Uno akkreditiert und operiert unter dem Namen "Embracing the World."

Toleranz und Mitgefühl

Amma hat Millionen von Menschen inspiriert, sich für eine bessere Welt einzusetzen, in der Toleranz und Mitgefühl die Motivation der Handlungen sind und nicht Habgier und Gefühle von Verachtung. Durch ihr beispielloses Vorbild und durch die Kraft der Liebe, die sie durch ihre Umarmung, ihre Worte und ihre Handlungen vermittelt, hat sie unzähligen Menschen zu einem würdigeren Leben verholfen.

Achtung der Menschenrechte

Amma setzt sich konsequent für Menschenrechte ein wie Recht auf Bildung, Gleichheit zwischen den Geschlechtern, Recht auf eigene Meinung und Religionsfreiheit. Obwohl Amma nur vier Jahre zur Schule ging, hat sie ein riesiges, globales Netzwerk von Projekten für Arme aufgebaut. Dazu zählen Infrastruktur-Aufbau, Sozialhilfe, Governance sowie Bildung, die Schulen und die staatlich anerkannte Universität "Amrita University" für rund 20'000 Studierende umfasst.

Internationale Bekanntheit

Seit 1987 reist Amma einmal im Jahr um die Welt und umarmt manchmal über 10'000 Menschen pro Tag. „Meine Umarmungen sollen den Geist der Liebe und Selbstlosigkeit in den Menschen wecken“, erklärt sie. Amma ist international hoch anerkannt. Während ihrer Programme wird sie auch von prominenten Vertreterinnen und Vertreter der Politik, aus dem Showbusiness und von internationalen Organisationen besucht.

Mahatma, eine grosse Seele

In Indien ist es Tradition, jemanden, der eine besondere Liebesfähigkeit oder Weisheit ausstrahlt, als Manifestation des Göttlichen zu verehren. Die Verehrung gilt den göttlichen Qualitäten in jener Person, nicht deren Ego oder Körper. Gott ist jenseits von Name und Form, ist Schöpfer und Kreation zugleich und wohnt jedem Lebewesen inne. In Indien wird Amma als Mahatma (grosse Seele) angesehen. Sie selber beansprucht keine bestimmte Bezeichnung für sich.

In einem Interview mit rediff.com im Jahr 2002 (Online-Nachrichtendienst, Indien) sagt sie dazu:

rediff.com:Amma, du wirst immer wieder als göttliche Mutter, als Religionsführerin oder spiritueller Guru bezeichnet.

Amma: „Ich bin für jeden das, was er in mir sehen will. Mich kümmert es nicht besonders, als was ich angesehen werde.“

Trotzdem, was würdest du sagen, ist die korrekte Beschreibung für dich. Siehst du dich als Gott und die Leute als deine Jünger?

Ich sehe die Menschen genauso wie ich mich selber im Spiegel sehe. Gott? Ich glaube auf jeden Fall nicht an einen Gott, der im Himmel hoch über den Wolken sitzt. Mein Gott sind diese Leute hier. Ich glaube, sie zu lieben und für sie da zu sein.“

Was ist dein Rat an diese Menschen? Was ist die Hauptsache deiner Lehre?

Gott ist Liebe und Mitgefühl, das sind die beiden Dinge, die die Welt benötigt. So viele Menschen werden nicht geliebt. Und Mitgefühl ist die Fähigkeit, verzeihen zu können. Wer von uns hat denn keine Fehler gemacht?“